|
||
|
|
||
| Warum Eigentum? | ||
|
|
||
|
Von Chaim Reich Wer vor ca. zehn Jahren selbstgenutztes Wohneigentum erworben hat, kümmert sich heute - wenn überhaupt - nur mit gemischten Gefühlen um Immobilienangebote. Mit Befremden müsste er nämlich feststellen, dass für seine vier Wände nur noch zwei Drittel dessen aufzubringen sind, was er seinerzeit auf den Tisch blättern musste: So stark sind die Preise gefallen. Anders ausgedrückt, die in diesen zehn Jahren geleisteten Kapitaldienste (Tilgung inkl. Zinsen) haben den realen Wertverlust noch längst nicht ausgeglichen. Oder noch anders ausgedrückt, die stolzen Eigentümer haben die drastisch höheren Wohnkosten für ihr Eigentum ohne realen Gegenwert an die Banken gezahlt. Zu deren Nutzen und zu ihrem Schaden. Einfach so, das Geld ist futsch! Zwischen 50.000 DM und 100.000 DM werden es sicherlich im Durchschnitt sein, über die sie jetzt verfügen könnten, wenn sie damals Mieter geblieben wären und das Ersparte angelegt hätten. Dies ließe sich jeweils sehr leicht berechnen. Doch Rechnen ist nicht die starke Seite von Selbstnutzern. So jedenfalls die Meinung des Herrn Dr. Peter Lammerskitten, Vorstandsmitglied der Deutschen Pfandbriefbank (Depfa), zuständig für deren großen Immobilienbereich. Und der muss es ja schließlich wissen. "Renditeaspekte spielen in den praktischen Anlageentscheidungen von potentiellen Selbstnutzern nur eine sehr untergeordnete Rolle. Es wird zwar immer wieder der Versuch gemacht, Vergleich mit dem Wohnen zur Miete anzustellen. Angesichts der Langfristigkeit der Betrachtungsperioden wird aber die Unsicherheit über die Vergleichsparameter so groß, dass bisher kaum ein gemeinsames Verständnis über das Ergebnis solcher Rechnungen angestellt werden konnte." meint Herr Dr. Lammerskitten und ergänzt: "Dass eine einheitliche Meinung nicht existiert, hängt natürlich nicht nur mit der Schwierigkeit der Rechnung zusammen, sondern vor allem auch mit der Tatsache, dass es auf die Rechenhaftigkeit gar nicht so ankommt, denn die Entscheidungen werden dominiert von sehr vielen nicht rechenhaften Aspekten. Hier ist der Gesichtspunkt des angstfreien Wohnens im Alter von herausragender Bedeutung, angstfrei, weil frei von unkalkulierbaren Mieterhöhungen und frei von Kündigungsgefahren." Herr Dr. Lammerskitten weiß diese Ängste auch einzuschätzen: "Die damit verbundenen Ängste haben zwar oft keine rationale Grundlage, aber sie sind wirksam. Sie sind eher irrational, weil z.B. nur auf die Unsicherheit der Mietentwicklung geschaut wird und die Unsicherheit von unkalkulierbaren Instandsetzungsausgaben oft völlig übersehen wird oder irrational, weil die Kündigung durch den Vermieter, wenn der Mieter seinen Mietzahlungsverpflichtungen pünktlich nachkommt, so gut wie kein reales Risiko darstellt." Wenn die Käufer von Eigentumswohnungen weniger von wirtschaftlichen Überlegungen, sondern eher von irrationalen Ängsten beeinflusst werden, müssen sie doch auch - so meint man jedenfalls - positive Zielstellungen haben. Niemand verschuldet sich schließlich hoch, nur weil er sich für einen irrationalen Angsthasen hält. Dr. Lammerskitten dazu: "Positive Motivation ist dann oft noch der Gedanke, dass auch das Vererben eines Einfamilienhauses einen ganz besonders attraktiven Vorgang für die Erben darstellt. Auch bei diesem Motiv spielen rationale Gesichtspunkte oft keine Rolle, bringt es doch die Mobilität der jüngeren Generation und der Geschmackswandel, der wie alle anderen gesellschaftlichen Prozesse auch immer schneller vonstatten geht, mit sich, dass vielen Erben ein disponibles Bankkonto lieber ist, als ein mit viel Veräußerungsaufwand und mit emotionalen Aspekten verbundenes Einfamilienhaus, in das man nicht hineinziehen möchte." Herr Dr. Lammerskitten fährt dann fort: "Der mit diesen Veränderungen korrespondierende gesellschaftliche Prozess, nämlich die Veränderung in der Einstellung der älteren Generation gegenüber dem selbstgenutzten Einfamilienhaus bis hin zu der Bereitschaft, den im Zeitablauf entstandenen Vermögenswert durch z.B. Verrentung selbst zu verbrauchen, hat demgegenüber aber noch nicht stattgefunden. Selbstnutzer sparen nicht nur für die Immobilie, sondern sie sparen auch während der Entschuldungsphase, und zwar zum Leidwesen vieler Banken oft sehr intensiv, und sie sparen auch dann weiter, selbst wenn sie als Sparziel nur noch den eigenen Erbfall vor Augen haben." Sparen für Wohneigentum und darüber hinaus dient also der eigenen Sicherheit, auch wenn das hart erkämpfte Vermögen allenfalls den Kindern und der Finanzierung der eigenen Beerdigung zugute kommt. Aber irgendwie bekommt das Sparen vielleicht gerade dadurch seinen höheren volkswirtschaftlichen Sinn, denn "langfristig", sagte der epochemachende britische Volkswirtschaftler Maynard Keynes, "langfristig sind wir alle tot." |
||
|
|
||
| Startseite | MieterEcho Archiv | ||
|
|
||
|
© Berliner Mietergemeinschaft 2001 |