MieterEcho
Nr. 283 - Januar/Februar 2001

Wärmedämmung, das unbekannte Wesen

 

Eigentlich ist die geläufige Wärmedämmung nur eine besondere Art der Fassadensanierung. Anstelle der üblichen Baumaterialien verwendet man an die Wand geklebte Styroporplatten, die in einem letzten Finish einen Auftrag von Putz erhalten. Die Fassade wird dadurch auf jeden Fall etwas dicker und - so wird behauptet - wärmeundurchlässiger. Das erste ist evident, das zweite kann man Gutachten entnehmen, die den Vorschriften sehr seriöser DIN-Normen entsprechen und mit technischen Größen umherjonglieren, dass einem jedem Laien so schwindlig werden muss, bis nur noch gläubige Ehrfurcht übrigbleibt. Ehrfurcht ist gut, doch Skepsis ist besser. Und die ist unter Fachleuten, gerade auch denen, die im Dienste der Vermieter mit so beeindruckend exakten Kenndaten operieren, sehr ausgeprägt.

Wir aber sind Laien und beginnen unsere kleine Betrachtung strenggläubig hinsichtlich all der wunderbaren Eigenschaften der Außendämmung, die den Mieter nach der Modernisierung erwärmen sollen. Wenn dann tatsächlich, wie auch Herr A. Paulus zu überlegen vorschlägt, eine 100%ige Wärmedämmung gelänge, hätte das zur Folge, dass man auch im Sommer heizen müsste, weil dann in derartig extrem isolierten Räumen Wärme ebenso wie Kälte konserviert bliebe? Sicherlich nur ein Gedankenspiel. Es weist aber in eine Richtung, die mehr Bedeutung hat. Jede Dämmung beeinträchtigt Zirkulation und Austausch. Und zwar nicht nur den unerwünschten Wärmeaustausch, sondern auch den erwünschten der Feuchtigkeit. Ähnlich wie in längst vergangenen Jahren Wohnungen, die mit hermetisch schließenden Fenstern ausgestattet wurden, ein sehr ungesundes Kleinklima entwickelten und im Extremfall zur Brutstätte von Schimmelpilzen wurden, lassen sich in styroporgedämmten Häusern vergleichbare Erscheinungen feststellen.

Allzu genau kann die Frage, was denn eigentlich zwischen Tapete und Styroporplatte passiert und ob sich dort nicht die gesamte in der Wohnung erzeugte Feuchtigkeit - das Mauerwerk aufweichend - sammelt, noch längst nicht beantwortet werden. Die Erfahrung mit Geruchsbelästigungen in derart modernisierten Wohnungen haben allerdings inzwischen viele Mieter machen müssen.

Unter Fachleuten ist weitgehend unumstritten, dass das Mauerwerk vieler Altbauten eine ausreichende Wärmedämmung bietet. Gerade deshalb ist es so besonders verwunderlich, wenn immer wieder beobachtet werden muss, wie auch denen das mietpreissteigernde Styroporkleidchen verpasst wird.

Wir werden dieses Thema in den nächsten Heften weiter behandeln. Die obigen Anmerkungen sind nur als ein erster Einstieg gedacht und sollen unter anderem betroffene Mieter dazu ermuntern, ihre Erfahrungen mit der Wärmedämmung, sowohl hinsichtlich der Einsparung von Heizkosten als auch eventueller Veränderungen des Raumklimas u.a.m. mitzuteilen.

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