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| Wir wissen einfach noch nichts Konkretes | ||
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Die GSW beschäftgt derzeit ca. 1.100 Mitarbeiter, allein 450 davon sind Hauswarte. Sie werden von drei freigestellten Betriebsräten vertreten. In den letzten Jahren hat auch die GSW einige Tochterfirmen gegründet, wie die VVG, die sich mit dem Verkauf der zu privatisierenden Wohnungen befasst. Wärme- und Energieversorgung in den Häusern der GSW - sofern es sich um hausinterne Anlagen handelt - werden ebenfalls von Tochterfirmen sichergestellt. Weiterhin ist das Vertrauen in diese nach Angaben des Betriebsrates hoch. Jüngst verfasste er gemeinsam mit der Geschäftsführung ein Schreiben an die Mitarbeiter, worin die Forderungen an die Verantwortlichen der Politik - Strieder und Kurth - dargelegt werden: Die Erhaltung der GSW als Unternehmen mit einem Mindestwohnungsbestand, Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und die Suche nach einer für das Unternehmen günstigen und sozialverträglichen Lösung. Dorothee Wendt befragte Edda Broski und Dieter Spiering, beide freigestellte Betriebsratsmitglieder, über ihre größte Sorge. Frau Edda Broski: Die GSW ist für uns wie eine große Familie. Es hat bis heute keine betriebsbedingten Kündigungen gegeben - in anderen Gesellschaften ist das allerdings bereits üblich. Und auch wenn seit 1998 Neueinstellungen leider nur noch befristet vorgenommen wurden, haben wir doch ungefähr 60 bis 70 Zeitarbeitsverträge abgeschlossen. Die GSW ist auch führender Ausbilder in der Wohnungswirtschaft: Derzeit sind 30 Azubis im Unternehmen tätig und von denen wird in der Regel auch die Hälfte übernommen. Also wer sich engagiert und mitarbeiten will, für den haben wir noch immer mit der Geschäftsleitung eine vernünftige Lösung gefunden. Bisher muss man leider sagen, denn wie das werden wird, darüber wissen wir einfach noch nichts Konkretes. Ich persönlich habe jedoch keine Angst um meinen Arbeitsplatz, ich bin Betriebsratsmitglied und gehe bald in Rente. Aber um die Kollegen mache ich mir Sorgen: Solche, die erst vier oder fünf Jahre dabei sind oder all die langjährigen Mitarbeiter, die jetzt so um die 50 sind, bei denen sieht es ganz anders aus, für die müssen wir eine gute Lösung finden. Angst habe ich aber auch um meine Wohnung. Viele - sehr viele - Mitarbeiter wohnen in GSW-Häusern, wir haben ja in ganz Berlin Wohnungen. Dieter Spiering: Der öffentliche Wohnungsbau hat doch die Aufgabe für am Wohnungsmarkt Benachteiligte ausreichend Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ein privater Vermieter unser von Verarmung betroffenes Klientel aufzunehmen. Und bedenken Sie einmal: Wenn die GSW wie die GEHAG für 1.6 Mrd. über den Tisch geht, das sind rund 300 DM/m2, dann wird Staatseigentum regelrecht verscherbelt. Und selbst wenn der Investor die Wohnungen für nur 1.000 DM/m2 weiterverkauft, klingt das zwar wie ein günstiges Angebot, sein Gewinnn liegt aber schon um fast das Dreifache über dem Kaufpreis. Wir denken daher, 300 DM/qm wäre auch ein fairer Preis für Mieter. Welche Erfahrungen hat denn die GSW oder besser gesagt ihre Tochter die VVG beim Verkauf der Wohnungen bereits gesammelt? Edda Broski: Im Frühjahr 1996 wurde die VVG ausgegliedert - übrigens haben wir für die Mitarbeiter dieses Tochterunterneh-mens vereinbart, dass ihr Arbeits-vertrag bei Konkurs oder Auflö-sung der VVG wieder von der GSW übernommen wird. Die VVG verfügt über 10.700 ausgewählte Wohnungen. Davon sind bis heute 1.800 verkauft worden. Dieter Spiering: In dem Gründungsvertrag mit der VVG ist allerdings klar vereinbart, dass vermietete Wohnungen nicht an Dritte verkauft werden können. So konnten nur Mieter selber kaufen oder leere Wohnen veräußert werden. Edda Broski: Die Angst unter den Mietern war anfangs groß, und viele Mieter haben eine andere Wohnung bei der GSW gesucht. Dieter Spiering: Meines Wissens gab es keine "Angstauszüge". Ich wohne auch in einem solchen Komplex und wir haben mit der GSW einen Zusatz zum Mietvertrag vereinbart. Der betont noch mal, dass die Wohnung nicht in vermietetem Zustand verkauft werden darf. Edda Broski: Aber dieser Zusatz zum Mietvertrag wurde nicht generell allen angeboten, jeder Mieter musste sich selber darum kümmern. Dieter Spiering: Schon, aber es haben doch auch viele genutzt. Edda Broski: Also ich weiß schon, dass auch viele Wohnungen leer stehen. Zum Beispiel im Schoelerpark, insbesondere die Paterrewohnungen. Aber das ist nur mein Eindruck, regelrechte Statistiken sind uns nicht bekannt. Wir wissen zum Beispiel auch nicht, ob das Panikauszüge waren oder die Umzüge normale Mieterbewegung darstellen. Dieter Spiering: Generell hat sich die Wohnraumnachfrage verändert. Als ich noch Wohnungsver-walter war, da kamen auf eine Wohnung fünf Bewerber, heute ist es nahezu umgekehrt: da kann sich der Bewerber die Wohnungen regelrecht aussuchen. Sie betonen das gute Verhältnis zur Geschäftsführung. Edda Broski: Die GSW ist noch eine der wenigen Wohnungsbaugesellschaften, deren Hauswarte festangestellt sind und in Dienstwohnungen vor Ort wohnen. Wir - auch für das Unternehmen ist es im Endeffekt wirtschaftlich günstiger - haben damit gute Erfahrungen gemacht. Ich sage es einmal so, die Geschäftsführung weiß auch, dass wenn es zu einem Verkauf kommt vor allem ihre Posten wackeln - das konnten sie schon bei der GEHAG beobachten; wir sitzen sozusagen in einem Boot. Dieter Spiering: Als Betriebsratsmitglied muss ich bei dem Verkauf der GEHAG kritisieren, wie sich die DAG und die IG-Bau verhalten haben. Sie haben die Verträge zwar begleitet, aber eben nicht günstige Bedingungen für die Mitarbeiter ausgehandelt. Es darf beim Verkauf der GSW keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Was gedenkt der Betriebsrat hinsichtlich des Verkaufs zu unternehmen? Dieter Spiering: Ich darf Ihnen vielleicht aus dem Positionspapier unseres Betriebsratsvorsitzenden Ralf Wittig, das er anlässlich der von Hans-Georg Lorenz (SPD) initiierten Veranstaltung im Abgeordnetenhaus ausgearbeitet hat, zitieren. Denn wir kritisieren, dass sich der Berliner Senat immer mehr aus der Verantwortung gegenüber Sozialschwachen verabschiedet und sein "Tafelsilber verscherbelt". Die Einnahmen der öffentlichen Wohnungswirtschaft in den letzten fünf Jahren beträgt 4 Mrd. DM "und ließe sich noch weiter aufstocken. Die Arbeitsplätze wurden bereits in den Jahren von 1994 bis 1998 um 1.720 Stellen reduziert". Wittig schreibt weiter, dass man vielmehr nach "neuen sozialen Trägern" Ausschau halten sollte, denn "die Verantwortung für soziale Gettos" zum Beispiel in Marzahn - nach dem Motto "ab in die Plattenbauten, die will keiner haben" - trägt der Senat mit. Was passiert mit den Angestellten der GSW wenn verkauft wird? Edda Broski: Wir sind der Gründung von Genossenschaften gegenüber aufgeschlossen, obgleich wir nicht wissen, ob wir da nicht der Zerschlagung der GSW Tür und Tor öffnen. Die GSW hat zur Zeit 9 Teilverwaltungen. Und wenn die in 9 Genossenschaften oder in 9 kleine Unternehmen aufgeteilt werden, dann ist das eine bedeutende Gefahr für die Rechte der Mitarbeiter. Wir wissen aus Erfahrung, dass die GSW sowohl für die Mieter wie für die Angestellten bisher gute Arbeit geleistet hat.
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