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| Lilienthalstraße 12 - 2. Akt, fragenreich | ||
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Die wenig paradiesischen Zustände in der Lilienthalstr. 12 wurden im ME 278 ausführlich beschrieben: Sich seit Jahren immer weiter ausbreitende Leerstände, Sanierungsabsichten der Eigentümer, die allenfalls zur Verunsicherung der Mieter aber nicht zu irgendwelchen brauchbaren Ergebnissen führten, daneben in letzter Zeit - putzmunter - Wohnungsverkäufe und schließlich durch den Eigentümer die Verkündigung ex cathedra: "Das Haus ist schwammverseucht". Schwamm oder nicht Schwamm, das ist hier die Frage! Seither rätseln die übriggebliebenen Mieter, ob sie alle Schwamm heißen, denn der Echte Hausschwamm wurde zwar gutachterlich erwähnt aber an seiner Existenz in diesem Haus bestehen Zweifel. Gäbe es ihn, hätte er seit Jahren ideale Lebensbedingungen. Dr. Grosser vom Institut für Holzforschung schreibt im Merkblatt 1-2-91 der WTA über das Vorkommen: "Der Echte Hausschwamm kommt vorwiegend in Altbauten vor… Besonders hausschwammgefährdet sind unbewohnte und/ oder nicht gelüftete Häuser sowie allgemein alle Gebäude mit hoher relativer Luftfeuchte in Verbindung mit Schäden der Bausubstanz. Von zunehmender Bedeutung sind Schadensfälle, die aus unsachgemäßen Umbau- und Renovierungsmaßnahmen resultieren." Die Geschichte des Hauses in der Lilienthalstr. ließe sich vor dem Hintergrund dieser Darstellung als eine einzige liebevolle Bemühung, dem Echten Hausschwamm ein gemütliches Heim zu bereiten, interpretieren. Vielleicht ist gerade deshalb von ernsthafter Schwammsanierung wenig zu spüren. Zwar wurden Balken ausgewechselt, doch die beseitigten liegen im Hausflur und warten zum Preis von DM 5,- pro Stück auf Käufer. Sie werden weder, wie das für schwammbefallenes Material vorgeschrieben ist, als Sondermüll entsorgt, noch ist an ihnen Schwamm zu entdecken. Allenfalls Trockenfäule, sagen Fachleute. Der Echte Hausschwamm ist tückisch denn: "Eine sehr viel größere Gefahr als altes vieljähriges Myzel (d.i. der Schwamm selbst, d. A.) für einen Wiederbefall stellen die Sporen dar, die über viele Jahre keimfähig bleiben. Unter Laborbedingungen keimten noch 20 Jahre alte Sporen aus." (Grosser a.a.O., S. 19) Diese Sporen, vom Echten Hausschwamm in großen Mengen produziert, können in befallenen Kellerräumen einen regelrechten Staubfilm bilden. In der Schüttung, der Substanz in den Deckenzwischenräumen, finden sie sich üblicherweise massenhaft. Deshalb muss auch die Schüttung als Sondermüll behandelt werden. Doch gerade sie wird in der Lilienthalstr. ungeniert weiter aus dem Fenster entsorgt. Ein Vorgehen, das nicht gerade die Zweifel an dem Vorhandensein von Schwamm zwingend beseitigt. So äußerten sich auch die Mieter auf der Sitzung des Stadtteilausschusses 61 am 4.4.2000 gegenüber dem Eigentümer Herrn Willms. Der sagte zu, das außer ihm noch niemanden bekannte Gutachten unverzüglich zugänglich zu machen. Doch geschehen ist bisher nichts. Auch das Bezirksamt kennt das Gutachten nicht. Wozu gibt es ein Bezirksamt? Auch eine gute Frage. Eine Antwort haben die Mieter bisher nicht finden können. Zwar haben sie seit 1993 jeden Leerstand im Haus gemeldet, doch ohne die zuständigen öffentlich Bediensteten zu irgendeinem wahrnehmbaren Handeln zu veranlassen. Die Eigentümer Willms/Maaßen haben offensichtlich eine gewisse Neigung zur Passivität behördlicherseits bereits taktvoll ins Kalkül gezogen. Sie belästigen die Beamten gar nicht erst wegen irgendwelcher Baugenehmigungen. Sie fangen einfach an. Z.B. mit dem Dachgeschossausbau, dabei eine vor dem Bauausschuss gemachte Zusage des Bezirksbürgermeisters, Herrn Dr. rer. nat. F. Schulz, die noch längst nicht erteilte Genehmigung an eine vernünftige Vorgehensweise im Hause zu binden, für das zu halten, was sie wohl auch war, eine launige Bemerkung. Der zuständige Sachbearbeiter wurde in Kenntnis gesetzt: und zwar von den Mietern. Schwer nachzuvollziehen, was er gedacht haben mag. Wer da glaubt, "Scheiße, hat man denn nie seine Ruhe", oder etwas in der Art, mag sich täuschen. Die Abgeschlossenheitsbescheinigungen jedenfalls, eine der Voraussetzungen für die Bildung von Wohneigentum, wurden prompt ausgestellt. Und dass es sich dabei um keine kleine Leistung handelt, wird man gleich sehen. Im dritten OG. des Vorderhauses gibt es nämlich zwei Wohnungen, für die zwei Mietverträge mit ein und derselben Mietpartei geschlossen wurden. Diese beiden Wohnungen wurden vor einigen Jahren mit Genehmigung des seinerzeitigen Eigentümers zusammengelegt. Nach wie vor handelt es sich um zwei Wohnungen aber keine von ihnen ist abgeschlossen. Dennoch - ohne Rücksicht auf die Arbeitsbelastung - wurde Abgeschlossenheit bescheinigt. Keine Spur von Amtsschimmel! Und schließlich: in der Frage Schwamm oder nicht Schwamm zeigte das Bezirksamt geradezu außergewöhnliche Tüchtigkeit. Zwar ist man der Frage von der Sache her nicht weiter nachgegangen, aber so etwas sind Kleinigkeiten, nicht wert, sich weiter damit aufzuhalten, denn die Mieter und das ist es letztlich worauf es ankommt, die Mieter sind postwendend von der Notwendigkeit des Auszuges in Kenntnis gesetzt worden. Damit beantwortet sich auch auf's Schönste die eingangs gestellte Frage nach dem Sinn des Bezirksamtes: Das Bezirksamt ist dazu da, den Herrn Willms und Maaßen zu glauben. Und das ist gut so, denn wer außer der Behörde sollte das wohl tun? Wer sonst noch glaubt dem Eigentümer? Tja, wer? Da wäre ein freundlicher, kultivierter Herr z.B., der kürzlich lange vor dem Haus gestanden hat, bevor er seine Scheu überwand und im 3. OG des Vorderhauses klingelte. Der Mieterin, die ihm bereitwillig öffnete, stellte er sich mit einer gewissen Verwunderung vor. Verwundert, weil er geglaubt hatte, die Wohnung sei leer. Sie sei ihm jedenfalls als bezugsfrei verkauft worden. Eigentlich habe er schon zum 1.3. einziehen wollen, aber nun würde sich der Termin wohl verschieben, denn die Sanierungsarbeiten seien noch nicht zum Abschluss gekommen, habe man ihm gesagt. Noch wohne er in Bonn, doch wenn sein Dienstsitz nach Berlin verlegt wird, müsse er hier eine Unterkunft finden. Aus diesem Grund habe er die Wohnung gekauft und auch bereits bezahlt. Dass die Wohnung überhaupt nicht zur Verfügung stünde, könne er gar nicht fassen, denn er sei weit davon entfernt, Mieter verdrängen zu wollen. Hätte er die im ME 278 geschilderten Verhältnisse gekannt, d.h. wäre er richtig informiert worden, hätte er sich mit diesen Eigentümern in keine Geschäfte eingelassen. Wer die von den Eigentümern mit dem Verkauf der Wohnungen beauftragte Firma Krebs, aus Fichtetal, als Kaufinteressent nach Mietern in dem Haus fragt, bekommt zur Antwort, dass die eventuell noch vorhandenen Mieter kein Problem darstellen. In dieser Aussage steckt ein guter Hinweis. Denn man gibt sich in dem Hause mit der Lösung des Problems "Mieter" in der Tat alle Mühe. Zugegeben nicht gerade einfallsreich, so etwas hatten wir schon besser, aber immerhin: plötzlich, kurz vor Ostern, waren die Gasleitungen gekappt und die Mieter konnten sehen, wo sie ihren Osterbraten zubereiteten. Die charmante Antwort, auf eine einstweilige Verfügung zur Wiederherstellung des alten Zustands, bestand in der Lieferung eines zweiflammigen Elektrokochers, billigster Machart. Noch ein wenig provinziell die Methoden, aber das Bemühen, die den Käufern zugesicherte "Bezugsfreiheit" herzustellen, lässt sich erkennen. Doch wie verhält es sich in einem anderen Fall? Wieder hatte der Kaufinteressent (oder waren es zwei?) den Verkäufern geglaubt. In das vierte Obergeschoss wollten zwei Herren einziehen. Ein wenig Luxus kann man schon verlangen als zukünftiger Wohnungseigentümer auch in Kreuzberg und schließlich vier Treppen zu erklimmen ist rauh. Ein Fahrstuhl (selbstverständlich wohnwertsteigernd und damit auch die Mieten erhöhend) sei geplant, sicherte man verkäuferseitig zu. Nachdem der Vorvertrag geschlossen und eine erste Anzahlung von 6.600,- DM überwiesen worden war, erkundigte sich der Käufer vorsorglich beim Bezirksamt und erfuhr, dass ein Antrag für den Einbau eines Fahrstuhls niemals gestellt worden sei. Drohungen mit gerichtlichen Auseindersetzungen, pikanterweise geführt von dem Anwalt, der auch die Mieter vertritt, verhalfen dem enttäuschten Wohneigentumsuchenden zur Rückerstattung seiner Einlage. Welche Antwort hätte wohl die Firma Krebs in diesem Fall gegeben? Sicherlich die, dass ungestellte Anträge und nicht erteilte Genehmigungen überhaupt kein Problem darstellten, denn wie man das Bezirksamt kenne, habe man bei der Kreuzberger Behörde dazu eine ebenso liberale Einstellung wie zu jahrelangen ungenehmigten Leerständen. Womit die Firma Krebs aus Fichtetal die Verhältnisse in Kreuzberg wohl auf den Punkt gebracht hätte. Wenn nötig schickt er den Wachschutz mit dem Pitbull ins Haus Im letzten Heft berichtete das ME ausführlich über die Mieterinitiative in der Winterfeldtstrasse 25, die sich gegen die ausgesprochen willkürlichen Vermarktungsstrategien der Eigentümer-Umwandler MEBES & WULLINGER wehren. Vieles ist seit dem passiert. Die MieterInnen konnten per Einstweiliger Verfügung vor Gericht den geplanten Dachgeschossausbau stoppen; und die Anwälte von MEBES & WULLINGER nahmen kurz vor dem Gerichtstermin einen Teil der Klagen wegen unerlaubt eingebauter Bäder und unerlaubter Wohnungszusammenlegung freiwillig zurück. Diese zwei Niederlagen wurmten Herrn Mebes offensichtlich maßlos, denn eines Tages sahen sich die MieterInnen von Kameras in Durch-, Auf- und Zugängen des Hauses überwacht. Zur "Steigerung des Terrors" nötigte von Mebes beauftragtes Wachschutzpersonal, von Kampfhunden begleitet und selbstverständlich ohne sich selbst ausweisen zu können, den MieterInnen Identitätskontrollen ab. Zu allem Überfluss waren die Pittbulls im Hof nicht angeleint, so dass das Durchqueren oder etwa das Spielen der Kinder im Hof gefährlich wurde. Der von den Mieter gerufenen Presse und Frau Dr. Ziemer, Bürgermeisterin von Schöneberg, erteilte Mebes kraft seines Eintrags im Grundbuch kurzerhand Hausverbot. Die MieterInnen initiierten daraufhin eine Pressekonferenz ausserhalb des Hauses der Winterfeldt 25. Befragt über die Gründe für diese Maßnahmen sagte Mebes gegenüber dem Tagesspiegel: "um den Sachbeschädigungen Herr zu werden". Was er darunter verstand, blieb jedoch offen, vielleicht dachte er an die Pflanzen, die noch bis vor kurzem die Fassaden der Winterfeldtstrasse 25 zierten. Möglich wäre aber auch, dass Mebes es auf die Aushänge der Mieterinitiative abgesehen hatte. Denn, so sinnierte er weiter, ein paar Mieter machten Stunk, um ihre billigen Mieten zu sichern. Auch der Morgenpost gab er zu verstehen unter welchem Wahn er leidet: "Die Mieter wollen nur erreichen, dass sie selbst die Wohnungen billig erwerben können." Hinter den Verkaufserwartungen für die Wohnungen in der Winterfeldtstrasse zurückzubleiben, wäre für Mebes, jenen bereits in Ostberlin bekannten "wütigen Umwandler", vielleicht eine ganz neue Erfahrung. Zwischenzeitlich sind die Kameras und der Wachschutz - auch das kann die Mieterinitiative sich auf ihr Konto schreiben - verschwunden. Weitere Informationen erhalten Sie unter: http://www.w25.de. AG Umwandlung Wer Erfahrungen mit MEBES & WULLINGER gemacht hat - bitte unbedingt Kontakt aufnehmen mit:
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