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Die Wilmersdorfer Ringbahnstr. 6 befindet sich am Halenseer Ende des Kurfürstendammes. Der Mietspiegel weist ihr das Kriterium "gute Wohnlage" zu - nicht gerade zum Vorteil der Mieter -, eine bürgerliche Gegend noch, aber ohne Begeisterung, ein bisschen Niemandsland zwischen Ku'damm und Grunewald, im Rücken ein Streifen Gewerbegebiet, hauptsächlich Autoreparatur, die S-Bahn ist leicht erreichbar, das ist gut, ein Aldi fehlt, das ist schlecht. "'Carmen Sutor Handelskontor & Immobilien' präsentiert traumhafte freie Altbauwohnungen" an diesem Ort und beschreibt seine Lage so: "Im Stadtteil Halensee begegnen sich zwei faszinierende Quartiere der Metropole Berlin. Hier geht der Kurfürstendamm mit seinem vitalen Flair und seinen exklusiven Geschäften über in die behaglichen grünen Villenviertel des Grunewalds. An der Schnittstelle dieser Gebiete verbindet sich in den stilvollen Altbauwohnungen in einmaliger Weise lebendige Nähe zur City mit der Ruhe der grünen Lunge Berlins." Man kann das auch so sehen, vor allem wenn man an die Übereinstimmung seiner Wahrnehmung mit der Realität keine allzu großen Ansprüche stellt. Freie Wohnungen, d.h. Leerstände, gibt es in dem Haus in der Tat, aber traumhaft sind wohl nur die Preise. Eine unsanierte 60 m2 große Hofwohnung mit zwei "stilvoll" dunklen Zimmern und Ofenheizung für DM 222.820,- will erst einmal ihren Liebhaber finden. Vielleicht ist er unter denen, die Carmen Sutors Dichtkünsten erliegen, zu finden. Sieht man großzügig über die Leerstände im Haus hinweg, könnte das ganze Geschehen Carmen Sutor und den ihren überlassen bleiben. Doch ihr Ehrgeiz hält sich nicht in diesen Grenzen. Sie plant mehr. "Das Gebäude wird von Grund auf saniert und modernisiert, sowie in Teilbereichen um- und ausgebaut. Dabei wird die alte Struktur bei den Umbaumaßnahmen schonend behandelt und bleibt soweit wie möglich bestehen," erfahren alle möglichen Käufer und nicht nur die Interessenten an den freien Eigentumswohnungen. Auf elf teilweise eng beschriebenen Seiten werden akribisch sämtliche geplanten Maßnahmen aufgelistet. Umfangreiche Instandsetzungen sollen vorgenommen werden und - den Käufern sei's versprochen - diverse Modernisierungen:
Über die Küchen heißt es: "Die gesamte Gasinstallation der einzelnen Wohnungen wird rückgebaut (Rückbau meint Abriss). Sämtliche Wohnungen erhalten neue Elektroherde mit vier Kochstellen und einem Backofen sowie neue Spülen. Vorhandene Armaturen werden durch neue ersetzt. Gegen Aufpreis kÜnnen die Küchen komplett mit allen Geräten, wie Spülmaschinen, Herd und Backofen, Kühlschrank, Tiefkühlschrank und Dunstabzugshaube mit Aktivfilter (wenn grundrisstechnisch möglich) ausgestattet werden." Um mögliche Missverständnisse auszuschließen, das Angebot incl. Extras gegen Aufpreis richtet sich an Kaufinteressenten. Mietern existieren in der Carmen Sutorschen Virtualität nicht mehr. Das ist verständlich, denn wessen Wahrnehmung allzusehr auf "vitales Flair", "exklusive Geschäfte" und "behaglich, grüne Villenvororte" geeicht ist, der trainiert sich leicht und gern eine geschäftsfördernde Blindheit gegenüber der sozialen Realität an, wenn er autragsgemäß die Eigentümerinteressen auf dem Markt der Eigentumswohnungen zu vertreten hat. Die Karolinenhofer Grund- und Bodenhandelsgesellschaft mbH & Co. Hausverwaltungs KG - Carmen Sutors Pendant - vertritt die Eigentümerinteressen gegenüber den Mietern. Ihre Mitteilung vom 2.8.99 liest sich reichlich spröde: "... mit heutigem Schreiben möchten wir Ihnen folgende Informationen bekanntgeben. Der Bauantrag zum Ausbau des Dachgeschosses zu drei Wohneinheiten und der Ausbau von zwei Aufzugsanlagen (VH und GH) sowie der Vollwärmeschutzarbeiten zum o.g. Objekt ist gestellt. Baubeginn ist voraussichtlich Anfang September. Wir planen die o.g. Maßnahmen bis Ende April 2000 fertig zu stellen. ...." Ob die nüchterne Sichtweise der Verwaltung Carmen Sutors überschwenglicher Betrachtung überlegen ist, muß bezweifelt werden. Die Mieter werden in beiden Fällen gleichermaßen ignoriert. Modernisierungen und Instandhaltungen sind aber Maßnahmen, die in aller erster Linie das Vertragsverhältnis zwischen Mieter und Vermieter betreffen. Maßgeblich sind nicht irgendwelche potentiellen Kaufinteressenten, sondern maßgeblich ist die Zustimmung der Mieter. Um die zu erhalten muß eine Modernisierung durch ordnungsgemäße Ankündigung eine zweimonatige Bedenkzeit auslösen und kann erst danach - im Falle der Verweigerung eventuell - durch Gerichtsentscheidung ersetzt werden. Diese Realität wird, politisch begünstigt allzu leicht verdrängt. Die Mieter dürften aber wenig Schwierigkeiten haben, sie sowohl Carmen Sutor als auch der Karolinenhofer Hauverwaltung nachdrücklich in Erinnerung zu rufen.
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